Synonyme Begriffe: irritables Darmsyndrom, irritables Colon, Reizcolon, Colon irritabile.
In der Medizin bezeichnet der Begriff Reizdarmsyndrom eine Gruppe von Darmerkrankungen, deren Ursache weitgehend unklar ist. Veränderungen der Motilität des Darmes, der Immunreaktionen und psychische Faktoren werden als Auslöser diskutiert. Der einzig konsistente Befund bei vielen Patienten ist die erniedrigte Schmerzschwelle im Dickdarmbereich. Das Reizdarmsyndrom kann Symptome aller möglichen Darmerkrankungen nachahmen. Die Diagnose Reizdarmsyndrom kann letztlich erst dann gestellt werden, wenn diese Erkrankungen ausgeschlossen worden sind.
Symptomatik:
Symptome des Reizdarmsyndroms sind Schmerzen oder Unwohlsein im Bauchraum zusammen mit Veränderungen der Stuhlgewohnheit. Eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit des Darms gegenüber mechanischen Reizen ist ein sehr sensitives, aber wenig spezifisches Zeichen des Reizdarmsyndroms. Das Reizdarmsyndrom kann in verschiedene Untergruppen klassifiziert werden. Dazu gehören der Diarrhoe-prädominante Typ (vermehrte Durchfallerscheinungen), der Obstipations-prädominante Typ (vermehrtes Auftreten von Verstopfung) sowie der Gas-Bläh-Typ. Es bestehen fließende Übergänge. Häufig ist die Überlappung mit chronischen Beckenschmerzen, Fibromyalgie und psychischen Erkrankungen.
Diagnose:
Nach den Rom-II-Kriterien kann ein Reizdarmsyndrom diagnostiziert werden, wenn folgende Kriterien erfüllt sind:
Innerhalb der letzten 12 Monate mindestens 12 Wochen lang, die nicht in Folge sein müssen, abdominelle Schmerzen und Unwohlsein mit zwei oder drei Merkmalen:
Nebenkriterien, die die Diagnose unterstützen, aber für sich keine Diagnose erlauben, sind:
Die Diagnose setzt voraus, dass keine strukturelle oder biochemische Veränderung die Beschwerden erklärt. Dies muss ausgeschlossen werden durch:
Ursachen – Pathophysiologie:
Wie oben bereits erwähnt, ist die Ursache des Reizdarmsyndroms weitgehend unklar. Veränderungen der Motilität, Immunreaktionen und psychische Faktoren werden diskutiert, bei vielen Patienten besteht eine erniedrigte Schmerzschwelle (Hyperalgesie) im Colon. Etwa 25% der Reizdarmsyndrome entstehen nach einer Gastroenteritis (Magen-Darm-Entzündung), sei es durch Infektion oder durch Medikamente, u.a. durch Antibiotika. Hier werden verlängerte Immunreaktionen oder neurologische Vorgänge auf der Ebene des Rückenmarks als Ursache diskutiert. Diese Annahmen basieren jedoch nur auf Tiermodellen.
Nach neueren Erkenntnissen sollen bestimmte Zellen des Verdauungstraktes Aromastoffe aus der Nahrung erkennen und die Verdauung steuern. Somit könnten Aromastoffe für die Reizdarmprobleme mit verantwortlich sein.
Therapie:
Bei günstiger Symptomatik kann die Behandlung auf eine Diätberatung beschränkt bleiben. Die Therapie ist symptomatisch, d.h. dass das jeweils vorherrschende Symptom – Diarrhoe (Durchfall), Obstipation(Verstopfung) oder Meteorismus(Blähungen) – als Ziel der Therapie angegangen wird. Bei Obstipation wird eine schlackenreiche Kost (z.B. auch wasserlösliche Ballaststoffe wie z.B. Flohsamenschalen) empfohlen, bei Diarrhoe Loperamid, bei Schmerzen Spasmolytika(krampflösende Medikamente), Antidepressiva oder als neuer Wirkstoff Tegaserod, das allerdings in Deutschland zur Behandlung derzeit noch nicht zugelassen ist. Wird eine erhebliche psychische Komponente erkannt, stellt eine ergänzende Psychotherapie eine Behandlungsoption dar.
Prognose:
Das Reizdarmsyndrom ist weder mit der Entwicklung ernsthafter Darmerkrankungen verbunden noch mit einer eingeschränkten Lebenserwartung vergesellschaftet. Dennoch kann die Lebensqualität im Einzelfall stark eingeschränkt sein.