Pilze im Darm

Nachwievor wird kontrovers diskutiert, ob der Nachweis von Pilzen im Darm mit dem Auftreten von Erkrankungen in einem ursächlichen Zusammenhang steht, Pilze im Darm eine gesundheitliche Gefährdung darstellen und ob bei positivem Pilznachweis therapeutische Maßnahmen einzuleiten sind.

 

Darmflora und Pilze

Bereits während der Geburt beginnt die mikrobielle Besiedelung des bis zu diesem Zeitpunkt keimfreien Magen-Darm-Kanals. Es etabliert sich sukzessive eine von zahlreichen Mikroorganismen getragene Darmflora, die zu über 99% aus Bakterien besteht. Bei 96% der Neugeborenen sind bereits am Ende des ersten Lebensmonats Candida-Hefen nachweisbar.
Bei 70% aller gesunden Erwachsenen sind Pilze im Magen-Darm-Kanal nachweisbar. Es handelt sich dabei vorwiegend um Vertreter der Gattung Candida.

Solange die standortspezifische Mikroflora intakt ist und ein funktionierendes Immunsystem existiert, verhalten sich Candida-Spezies wie kommensale Mitglieder, d.h. wie „Gäste ohne schädigende Aktivitäten“.

Infektiologisch werden Candida-Hefen den sogenannten opportunistischen Krankheitserregern zugeordnet. Nur unter bestimmten Umständen werden sie pathogen.

Möglich sind:

 

Ursachen und prädisponierende Faktoren für Pilzinfektionen sind:

Physiologische Zustände mit erhöhter Anfälligkeit für Pilze wie:

Erkrankungen/pathologische Zustände/ chirurgische Eingriffe wie:

Therapiemaßnahmen, die zu einer erhöhten Anfälligkeit für Pilzerkrankungen führen:

 

Erkrankungen im Zusammenhang mit intestinaler Candida-Infektion

Inwieweit Pilze im Darm für bestimmte gastroenterologische Erkrankungen bedeutsam sind, ist unklar.

Patienten mit Reizdarmsyndrom leiden häufig unter intermittierenden oder persistierenden Durchfällen, Blähungen und abdominellen Schmerzen, also den Symptomen, die auch bei intestinaler Candidose angegeben werden. Es ist aufgrund der Studienlage unklar, ob pathogene Hefen bei einem Teil der Reizdarm-Patienten für die geschilderten Beschwerden verantwortlich sind.

Gegenstand der Forschung ist, ob ein Zusammenhang zwischen intestinaler Candidose und atopischer Erkrankungen wie z.B. der Neurodermitis besteht.

 

Therapie

Zur Behandlung intestinaler Candidosen stehen Antimykotika unterschiedlicher Substanzklassen zur Verfügung.

Therapieversager können ihre Ursache in einer verminderten Empfindlichkeit oder erworbenen Resistenz haben, ebenso spielen mögliche Re-Infektionen etwa durch Partnerkontakt, über Zahnbürsten und Zahnprothesen, Mundstücke und Schnuller eine wichtige Rolle. Hefen können sich aber auch durch Biofilmbildung der Therapie entziehen.

Die Schutzfunktion einer physiologischen Flora gegenüber Candida-Infektion in Mund, Speiseröhre und Darm ist bekannt.

Demzufolge stehen Probiotica im Fokus. Für die Notwendigkeit, besondere Ernährungsformen, adjuvant einzusetzen, gibt keine sorgfältig erhobenen Befunde. Vielmehr ist es sinnvoll, durch eine für die gesunde Ernährung allgemein empfohlene – ballaststoffreiche, zuckerminimierte – Mischkost das mikroökologische System im Darm zu stabilisieren.

 

Fazit für die Praxis

 

Quelle: Deutsches Ärzteblatt, Ausgabe 51/52, Dez. 2009, Autor: Dr. habil. Jürgen Schulze