Divertikulose – Divertikulitis
Häufigste Erkrankung des Dickdarmes.
Erste Beschreibung 1849 durch Cruveilhier
Was sind Divertikel?
Erworbene Ausstülpungen der Darmschleimhaut durch Lücken der Dickdarmmuskelschicht.
Was bedeutet Divertikulose?
Das Vorliegen von mehreren bis vielen (bis zu 100) entzündungsfreien Divertikeln.
Was verstehen wir unter einer a) Divertikulitis und b) einer Divertikelkrankheit?
a) Eine abgelaufene Entzündung, die auf die Divertikel beschränkt bleibt und durch in den Divertikeln eingekeilte Stuhlmassen ausgelöst wird.
b) Durch starke entzündliche Veränderungen bedingte Komplikationen, die nicht mehr auf die Divertikel beschränkt bleiben.
- Perforation – Platzen der Divertikel
- Abszeßbildung
- Bauchfellentzündung
- Fistelbildung zu anderen Organen
- Darmpassagestörungen (Engstelle=Stenose, Darmverschluss=Ileus)
- Massive Blutung durch Einriss der zuführenden Gefäße
Als auslösende Ursachen werden angeschuldigt:
- Zunehmendes Lebensalter mit fortschreitenden degenerativen Veränderungen im Körper (Entstehung von Gefäßlücken in der Darmwand.
- Bewegungsarmut
- Fettreiche, schlackenarme Kost (zu wenig Ballaststoffe, dh. < 22g/Tag)
- Muskelverkrampfung des Dickdarms mit gesteigerter Darmmotorik durch Verkürzung der Längsmuskulatur und Verdickung der Ringmuskulatur – Anstieg des Druckes im Darmlumen.
Häufigkeit
- 40% der über 60-jährigen sind Divertikelträger!
- 60% der über 70-jährigen sind Divertikelträger!
- 50% von ihren bleiben asymptomatisch (werden nicht krank)!
- Jeder 5.Divertikelträger erleidet mindestens eine schmerzhafte Divertikelkrankheit!
- Eine gesicherte Geschlechtsdisposition (häufiger bei Frauen oder Männern) existiert nicht!
Lokalisation
- 50% sind im Sigma (Krummdarm) nachweisbar.
- In 90% ist das Sigma neben anderen Darmabschnitten mit betroffen.
Stadieneinteilung (nach Raguse) und Beschwerdebild
- Stadium I Divertikulose mit Beschwerden
- Stadium II Erster Divertikulitisschub
- Stadium III Peridivertikulitis/Perikolitis mit gedeckter Perforation
- Stadium IV Perikolitis mit freier Perforation
Zu Stadium I
- Zeitweise krampfartige Schmerzen
- Obstipation mit und ohne Wechsel von Diarrhöen (Verstopfung/Durchfall)
- Beschwerdelinderung nach Stuhlentleerung
Zu Stadium II – Schmerzattacke linker Unterbauch
- Flüchtige Resistenz tastbar (tastbare Walze) linker Unterbauch
- Keine Entzündungszeichen
Zu Stadium III – Koliken
- Obstipation – Verstopfung
- Tastbare Walze linker Unterbauch
- Paralytischer Ileus (Darmverschluss)
- BSG-Erhöhung (erhöhte Blutkörperchensenkungsgeschwindigkeit / Labor)
- Leukozytose (Erhöhung der Zahl der weißen Blutkörperchen / Labor)
- Eventuell Fieber
Diagnostik
Dickdarmspiegelung
Domäne der Endoskopie (hohe Dickdarmspiegelung mit Einsichtnahme in den Dünndarm)
Diese Untersuchung können wird Ihnen – auf Wunsch unter Gabe eines leichten Schmerz- und Beruhigungsmittels – ambulant
in unserer Praxis anbieten!
Röntgenuntersuchung (Kolon-Kontrasteinlauf)
Anwendung heute eher selten (Strahlenbelastung – bei Vorliegen einer krankhaften Veränderung muss dann zusätzlich eine
Dickdarmspiegelung erfolgen, kein Komfortgewinn gegenüber der Darmspiegelung, da ebenfalls eine ausgiebige Darm-
Reinigung und Luftinsufflation erfolgen muss!)
Ultraschall (Sonografie)
Eher zur Verlaufskontrolle bei einem Divertikulitisschub geeignet.
Zusätzliche Untersuchungen
Labor (Blutabnahme) und Körpertemperaturmessung
Prophylaxe
- Ausreichende körperliche Bewegung (täglich!)
- Regulierung der gesamten Lebensweise (Streßabbau, gesunde Ernährung, Vermeidung von Suchtgewohnheiten, Stuhlgewohnheiten
- Ausreichende tägliche Trinkmenge (2-3 Liter)
Therapie
a) Unkomplizierter Verlauf
- Schonende Darmreinigung
- Ballaststoffreiche Ernährung
- Quellstoffe zur Darmregulierung
- Salinische Abführhilfen oder Milchzucker bei Verstopfung
b) Komplizierter Verlauf
Konservativ:
- Zusätzlich zur Nahrungskarenz ggf. Antibiotikagabe
Operativ:
- Entfernung des betroffenen Darmabschnittes, möglichst präventiv und nicht in der Notfallsituation (d.h. wenn 3-4 Divertikulitisschübe jährlich auftreten.
- Kontinuitätserhaltende Operation (Darmwiedervereinigung: End-zu-End)
- Nicht kontinuitätserhaltende Operation (mit künstlichem After = Anus praeter = Stoma, vorübergehend oder bleibend)
Mögliche Medikation
Einfacher Verlauf
- Duspatal/Duspatalin (Vorsicht bei Milchzuckerunverträglichkeit)
- Medacalm
Komplizierter Verlauf
- Zusätzliche Antibiotika, z.B. Ciprobay.